Schon der Entwurf des Flächennutzungsplans löst bei einigen Ratsmitgliedern, Ortsbeiräten und Bürgerinnen und Bürgern Einwände, Protest und Unbehagen aus. Die Notwendigkeit, in Trier in nennenswerten Umfängen Wohnungs- und Gewerbegebiete auszuweisen, ist angesichts der großen Mangelsituation unbestritten, aber „bitte nicht vor meiner Haustüre“. Bei allen ausgewiesenen Gebieten finden sich kritische Punkte, spricht das eine oder andere Argument gegen die Ausweisung. Natürlich nehmen wir alle Hinweise auf, überprüfen, ob Änderungen in der Planung notwendig sind: Natur, Verkehr, Klima etc. etc.,alles muss abgewogen werden.
Rat und Verwaltung haben aber das gesamtstädtische Interesse, die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt, den Mangel in der Wohnraumversorgung und dessen gravierende Folgen für tausende Mieter und Mieterinnen zu vertreten (Mietpreissteigerungen, Wegzug, kein Zuzug).
Ausgewiesene Flächen für Wohnen und Gewerbe bewegen sich eher an der Bedarfsuntergrenze. Dem St. Floriansprinzip (St. Florian, St. Florian, verschone mich, zünd´ andere an) zu folgen, hieße: sich an den Interessen der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zu versündigen.
23 % Mietpreissteigerungen in 5 Jahren machen es immer mehr Triererinnen und Trierern unmöglich, bei Bedarf umzuziehen und/oder Eigentum zu bilden.
Auch der Fachkräftemangel lässt sich ohne bezahlbaren Wohnraum nicht beheben und Flucht in den Landkreis bedeutet, dass die Zuweisungen pro Kopf vom Land ebenso wie der Anteil an der Einkommenssteuer usw. an den Landkreis gehen. Aber diejenigen, die dann dort lebenden, nutzen unsere Infrastruktur. Die Folge ist, dass die Schere im Stadt/Umlandgefälle  weiter auseinander geht, die Schülerbeförderungskosten steigen und
die Verkehre  laufen trotzdem in die Stadt. Ökologische Folge ist auch eine Zusiedelung des Umlandes.

Betriebsaussiedlungen in den Landkreis – weil wir keine geeigneten Flächen anbieten können  - bedeuten mehr Gewerbesteuer für den Kreis und Kosten für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur bei uns. Jede Familie, die ins Kreisgebiet zieht, bedeutet eine unausgewogene Bevölkerungsstruktur in Trier usw..

Kommende Generationen werden fragen – und uns verfluchen – warum wir nicht gegengesteuert haben.

Den FNP einzudampfen bedeutet, die soziale Lage großer Bevölkerungsgruppen zu verschärfen und die Finanznot der Stadt durch Einnahmeverzichte zu vergrößern.

In manchen Stadtteilen – z.B. Mariahof – wollen Bürger und Bürgerinnen anderen die Möglichkeiten bestreiten, die sie selbst noch vor einigen Jahrzehnten in Anspruch genommen haben: Wohnen an Siedlungsrändern. Das geht so nicht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen in diesen Monaten und Jahren an vielen Punkten unter Beweis stellen, dass wir bereit sind, die Zielkonflikte konsequent durchzuhalten zugunsten kommender Generationen. Eine Studentin schrieb mir in diesen Tagen, dass wir mit der Situation auf dem Wohnungsmarkt Studierende aus der Stadt treiben. Zeigen wir, dass wir genau das nicht tun, dass wir Studierende nicht nur gerne in unsere Stadt holen, sondern ihnen auch einen guten Wohnungsmarkt bieten.

Beweisen wir, dass wir uns in unseren Entscheidungen nicht an der nächsten Kommunalwahl orientieren, sondern an den Bedürfnissen der Mehrheit der Bevölkerung und an den Interessen unserer Kinder und Enkel.

Soziale, ökologische und finanzielle Gründe sprechen für den FNP ebenso wie Aspekte der Generationengerechtigkeit. Nirgends sonst wird unsere Verantwortung so deutlich wie beim FNP und beim Haushalt.