Liebe Kinder, liebe Jugendliche, liebe Freundinnen und Freunde!

20 Jahre nach der großen Konferenz in Rio de Janeiro hat heute die Folgekonferenz in Rio begonnen. Leider wird diese Konferenz nur deshalb in die Geschichte eingehen, weil bereits vor Beginn das Ergebnis feststeht. Das Schlusskommunique wurde bereits in den Tagen vorher ausgehandelt. Für alle, die sich für eine nachhaltige Entwicklung auf dieser Erde einsetzen, ist das Ergebnis mehr als enttäuschend. Ich danke euch von ganzem Herzen dafür, dass ihr euch nicht entmutigen lasst und heute für die Bewahrung der Schöpfung eintretet. Global denken, lokal handeln ist das Leitwort vieler Aktivitäten auf kommunaler Ebene. Wir hier in Trier bekennen uns zu den Millenniumszielen der Vereinten Nationen.
Als Fair Trade Stadt wollen wir den Fairen Handel mit den unterschiedlichsten Aktivitäten voranbringen. Über das ganze Jahr arbeiten junge und ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger an einer Welt, die Zukunft hat durch konkrete Aktionen und Projekte. Für alle, die politische Verantwortung tragen muss der Schutz der Lebensgrundlagen für diese und künftige Generationen absolute Priorität haben. Wenn es in diesen Tagen heißt, dass es zunächst vordringlich darauf ankommt, den Euro zu retten, müssen wir entschieden dran erinnern, dass die Ursache für die Finanzkrise gerade im nicht nachhaltigen Wirtschaften zu suchen ist.

Die Entwicklung auf dieser Erde wird bestimmt von:

  • Spekulationen statt Zukunftsorientierung
  • Gier statt Bescheidenheit
  • Machtgehabe statt Gemeinsinn
  • Egoismus statt Solidarität
  • Masse statt Klasse
  • Konsum statt Qualität

Man kann auch sagen, sie wird von Kälte statt von Wärme bestimmt.

Die Bilanz, 20 Jahre nach Rio ist mehr als ernüchternd. In vielen Bereichen, wie der Armutsbekämpfung, der Bekämpfung von Krankheiten, der Schonung von Ressourcen hat es nicht nur Stillstand gegeben, sondern die Situation hat sich vielerorts sogar verschlechtert. Einzig im Bereich der Bildung können Fortschritte festgestellt werden. Angesichts dieser deprimierenden Ausgangssituation möchte ich euch, die junge Generation ermuntern, zu kämpfen:

  • für eine Nachhaltigkeit, die den Namen verdient
  • für eine Politik, die den Menschen und die Natur und nicht den Gewinn in den Mittelpunkt stellt.

Wir haben die Welt nur einmal. Es geht um eure Zukunft:

  • Hinterfragt alles kritisch und konstruktiv
  • Handelt selbst glaubwürdig, seit authentisch
  • Kämpft, kämpft aber mit einem Lächeln auf den Lippen, nicht mit einem leidigen Blick. Ihr habt etwas zu gewinnen. Die Perspektive auf eine gedeihliche Zukunft muss uns froh stimmen.
  • Seid radikal! Nehmt das Heft in die Hand. Wir, eure Eltern und Großeltern bekommen es wohl nicht mehr auf die Reihe, die Dinge in Ordnung zu bringen.

Unsere Eltern haben von den Problemen durch die Ausbeutung der Natur nichts gewusst. Wir wissen, was wir tun müssen, haben aber in unserer Generation nicht die Kraft, das Ruder herum zu reißen.
Was wir noch tun können, ist, euch zu helfen, euch zu unterstützen. Aber es ist euer Ding!
Kämpft gewaltfrei in der Methode, konsequent in der Umsetzung. Schließt euch zusammen, damit aus Wenigen Viele werden. Lebt so, dass auch künftige Generationen noch leben können.

Die Botschaften, die ihr auf den Kartons formuliert habt, sollen euer tägliches Leben und die Politik bestimmen. Es gibt keine größere, aber auch keine schönere Aufgabe, als die Umkehr zu Bescheidenheit, die Schonung unserer Umwelt und die Solidarität mit unseren Nächsten.
Ich danke euch nochmals für euer vielfältiges Engagement und möchte euch ermutigen, diesen Weg gemeinsam zu gehen.