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Ein Wiedersehen mit Adolfo Perez Esquivel

Trier, den 15. Juni 1983:

Auf Einladung der AGF spricht der argentinische Architekt, Künstler und Kämpfer für die Menschenrechte, Adolfo Perez Esquivel, in der Promotionsaula des Priesterseminars in Trier eindrucksvoll über die Situation in den von Diktaturen geprägten lateinamerikanischen Ländern und dem Kampf gegen totalitäre Regime, Armut, Verzweiflung und Hoffnung. Wir fuhren mittags mit einem VW-Bus nach Bonn, um ihn nach seinem Gespräch mit dem damaligen Außenminister Genscher nach Trier zu bringen. Mit großer Verspätung erreichen wir den Hof des Priesterseminars. Kein Mensch zu sehen und Befürchtungen, die Besucher seien wegen der späten Stunde nach Hause gegangen, machen sich breit. Unvergessen dann der Moment, als wir eintreten: eine restlos überfüllte Aula, volle Flure und brausender Applaus. Wir steigen über Besucher, die auf dem Boden Platz genommen haben und hören einen über Jahre unvergessenen Vortrag, der aufklärt und vor allem motiviert. An eine solche Resonanz haben wir im Traum nicht gedacht...

Es war eine große Überraschung, weltweit und auch für Adolfo, als er 1980 den Friedensnobelpreis für sein Wirken in Lateinamerika erhielt. 1971 gehörte er zu den Gründern der Dachorganisation vieler Menschenrechtsgruppen „Servicio Paz y Justicia“ ( Dienst für Frieden und Gerechtigkeit ), die noch heute in 15 lateinamerikanischen Ländern tätig ist. Von Hildegard Goss-Mayr motiviert, hatte die AGF die Anliegen von SERVICIO aufgegriffen und auch materiell gefördert. Der heute noch unermüdlich engagierte Friedensarbeiter Werner Huffer koordinierte dann über längere Zeit als Friedensarbeiter der AGF die Unterstützungsarbeit in Deutschland und auch auf europäischer Ebene.



Buenos Aires, den 10. Mai 2017:

Gemeinsam mit dem deutschen Botschafter in Argentinien, Herrn Bernhard Graf von Waldersee und einer Mitarbeiterin sitze ich im Büro von SERVICIO und warte auf Adolfo, 34 Jahre nach unserer Begegnung in Trier. Im Rahmen eines Staatsbesuches der Bundesratspräsidentin Malu Dreyer ( meine Frau ) in Argentinien und Uruguay hatten wir 2 Tage vorher die Gedenkstätte „Parque de la Memoria“ für die Opfer der Gewaltherrschaft der Militärdiktatur besucht und mit den Müttern/Großmüttern der Plaza de Mayo gesprochen. Mein Wunsch, Adolfo zu treffen, verstärkte sich durch die Auseinandersetzung mit der dunklen Periode Argentiniens. Er war ja selbst 14 Monate im Gefängnis und mußte die Folter erleiden. Mit Hilfe der Botschaft konnten wir Adolfo ausfindig machen. Mit großer Freude durfte ich erleben, wie engagiert Adolfo mit seinen 85 Jahren immer noch ist. Er steckte mitten in den Vorbereitungen einer Großdemonstration gegen Haftverkürzungen für die Täter der Diktatur. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Louis informierten uns die beiden über die Arbeit von SERVICIO heute, für die Armen und Schwachen und über die Menschenrechtsarbeit. Im Hintergrund an der Wand Bilder von Begegnungen zwischen Adolfo und großen internationalen Persönlichkeiten. Klein und unscheinbar in einem unauffälligen Rahmen die Nobelpreisurkunde...

Sie würden sich sehr darüber freuen, wenn sich Freiwillige für einen Dienst bei SERVICIO finden  würden. Ich werde versuchen - auch mit meiner Stiftung -, das dieser Wunsch in Erfüllung geht.

Klaus Jensen